
Oberbürgermeister Gert‑Uwe Mende und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr haben am 23. Januar im Festsaal des Wiesbadener Rathauses den Ludwig‑Beck‑Preis für Zivilcourage sowie den Preis für Bürgermut verliehen. Die Auszeichnungen gingen an die russische Historikerin und Publizistin Dr. Irina Scherbakowa sowie an die Aktivistin Julia Nawalnaja. Der Preis für Bürgermut wurde an Johann Zernickel und Andrej Belosludov vergeben.
Auszeichnungen und Zweck der Preise
Der Ludwig‑Beck‑Preis wird von der Landeshauptstadt Wiesbaden an Personen, Institutionen oder Vereinigungen verliehen, die sich durch besondere Zivilcourage für das Allgemeinwohl, das friedliche Zusammenleben, soziale Gerechtigkeit und die Grundprinzipien von Demokratie und Rechtsstaat eingesetzt haben. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Der Preis für Bürgermut würdigt seit 2011 Menschen aus Wiesbaden, die sich in besonderer Weise für andere eingesetzt haben; die Auszeichnung ist mit 2.500 Euro dotiert.
Preisträgerinnen des Ludwig‑Beck‑Preises
Dr. Irina Scherbakowa wurde als Gründungsmitglied der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial ausgezeichnet. Die Historikerin hat sich über Jahre für die Aufarbeitung der Verbrechen der sowjetischen politischen Gewaltherrschaft eingesetzt und gilt als Stimme der Freiheitsbewegung in Russland. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verließ sie ihr Heimatland und lebt seit Juli 2022 im Exil in Deutschland.
Julia Nawalnaja erhielt die Auszeichnung für die langjährige Unterstützung ihres Mannes, des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, bis zu dessen Tod. Sie setze sich unter Gefährdung ihrer eigenen Freiheit und ihres Lebens für die Grundwerte der UN‑Menschenrechtscharta ein und führe den politischen Kampf ihres Mannes weiter. Die Stadt begründete die Ehrung mit ihrem Einsatz für Freiheit, Demokratie und Frieden.
Preis für Bürgermut für eingreifendes Verhalten im Alltag
Der Preis für Bürgermut wurde an Johann Zernickel und Andrej Belosludov vergeben. Vorgeschlagen wurden die beiden Männer vom damaligen Polizeipräsidenten von Westhessen, Felix Paschek. Im April 2024 griffen Zernickel und Belosludov ein, um eine Nachbarin vor einem Messerangriff zu retten. Zernickel zog den Angreifer von der Frau weg und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Belosludov sicherte das Fallmesser und leistete Erste Hilfe. Die schwerverletzte Nachbarin wurde nach dem Eintreffen von Polizei und Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht und dort erfolgreich operiert.
Begründungen und Stimmen aus der Stadt
Oberbürgermeister Mende hob bei der Verleihung hervor, dass Zivilcourage oft im Zweifel und unter Risiko beginne und dass die Preisträgerinnen und Preisträger ein Vermächtnis des friedlichen Widerstands verkörperten. Er betonte, dass Wiesbaden sich als Stadt der Verantwortung, der Erinnerung und der Haltung verstehe und dass die Auszeichnungen dieses Selbstverständnis widerspiegeln.
Stadtverordnetenvorsteher Obermayr sagte, Menschen, die Zivilcourage und Bürgermut zeigen, verdienten Anerkennung, weil solche Haltungen dem Gemeinwohl dienten. Er fügte hinzu, dass die Stadt den Preisträgerinnen des Ludwig‑Beck‑Preises ihre Solidarität und Julia Nawalnaja ihr tiefes Mitgefühl entgegenbringe. Den Preisträgern für Bürgermut sprach er Dank und Anerkennung für ihr beherztes Eingreifen aus.
Der Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen, Björn Gutzeit, würdigte in seiner Laudatio das leise und unmittelbare Eintreten für andere Menschen und beschrieb das Verhalten der beiden Preisträger als beispielhaft für eine Gesellschaft, in der Menschen füreinander einstehen.
Die Verleihung fand im Festsaal des Rathauses statt. Auf den begleitenden Bildern sind unter anderem Oberbürgermeister Gert‑Uwe Mende, die Preisträgerinnen Julia Nawalnaja und Dr. Irina Scherbakowa sowie Johann Zernickel und Andrej Belosludov zu sehen.
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